Terrassengeländer
- 17. Apr. 2017
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Der Staub tanzt im warmen Morgenlicht und ich blinzle, begleite die Körnchen auf den Boden, fange eines mit meiner Hand ein.
Es ist kalt draussen, aber es fühlt sich warm an, weil der Himmel orange leuchtet. Meine Füsse fühlen den Beton, der auf der Terrasse besonders rau ist. Auch der Beton ist kalt, aber ich spür’s nicht, spüre gar nichts. Das Geländer der Terrasse ist grün angemalt, rostig, die Farbe blättert ab und die Splitter bohren sich in meine Handfläche, ich halte mich trotzdem fest. Es windet ein wenig, meine Haare kleben an meiner Haut. Es schmeckt nach Regen und Vergessen. Ich schnappe nach Luft und weiss nicht, welches ich einatmen will. Ist ja egal, Regen und Vergessen schmecken gleich.
Der Boden ist noch nass, der Regen hat ihn geputzt. Kleine Wasserperlen rinnen dem Geländer entlang, verhängen sich in den Unregelmässigkeiten des Rostes. Die Tropfen haben auch mich weggewischt, ausgewaschen. Ich war vergessen, war...
Ich schnappe noch einmal nach Luft. Die Farbsplitter bohren sich fester in mein Fleisch und es fängt an zu schmerzen, ich zittere, habe kalt. Ich habe kalt! Und ich fühle wieder, bin nicht mehr immun gegen die Kälte, gegen den Schmerz und die Haare in meinem Gesicht stören mich. Ich bin neu, bin nicht mehr ich, bin ein unbeschriebenes Blatt, kann nochmal anfangen.

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